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Die Schweizer Mundart unterscheidet sich immer noch deutlich vom Hochdeutschen. Doch mehr und mehr vermischt es sich… mit Fehlern!

-Akkusativ:
Statt «Wer häsch troffe?» wird heute immer öfter gefragt «Wen häsch troffe?» – Schmerz im Ohr lass bitte nach.

-Das Plural-«s»:
Früher sagte man «ein Tram, zwei Tram», heute sagen die Jungen ungeniert «Trams» oder «Taxis». – So falsch, dass es fast weh tut.

-Futur:
Wir bilden die Zukunftsform mit dem Präsens und sogenannten Zeitpartikeln: «Ich gang denn» statt «Ich wirde cho». – Die jüngere Generation hat damit aber kein Problem es falsch auszusprechen. Obwohl es natürlich kreuzfalsch ist. 😉

-Relativ-Sätze:
Sogar Moritz Leuenberger sagte «…die Staate, die nanig i de EU sind…» – Autsch, autsch, autsch!

-Präteritum:
Wir können nicht sagen «Ich war z’Bern», sondern sagen in der Vorgegenwart «Ich bin z’Bern gsi». Unsere alemannischen Nachbarn ennet dem Rhein haben damit aber kein Problem, dies so zu „verschweizern“.

 

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Deutsch ist voll von englischen Ausdrücken, die in den USA/England kein Mensch kennt oder was anderes bedeuten

 

PUBLIC VIEWING

–> Ist in Amerika die Aufbahrung von Leichen im offenen Sarg

 

BASECAP (hier eine Baseballmütze)

–> Ist in den USA eine Zierleiste, die es im Baumarkt gibt

 

HANDY

–> Versteht kein englischsprechener Mensch

 

BEAMER

–> Ist in den USA Slang für BMW

 

OLDTIMER

–> Ist kein englisches Wort

 

SHOWMASTER

–> Gibts nicht auf Englisch. Es wurde von Rudi Carrell erfunden

 

BODY BAG (hier als Rucksack angepriesen)

–> Ist eigentlich ein Leichensack

 

handy mobile anglizismen


Männer mit tiefen Stimmen machen leichter Karriere laut Studie

Der 20-Minuten-Test zeigt: Schweizer Top-Manager sprechen tatsächlich tiefer als der Durchschnittsmann. Zehn Schweizer CEOs im Stimmen-Check. Männer mit tiefen Stimmen machen leichter Karriere, so eine Studie.

 

tiefe_stimme

 

CEOs mit tieferer Stimme sollen beruflich erfolgreicher sein, sagt eine neue US-Studie. Mitarbeiter der Phoniatrie des Inselspitals Bern haben für 20 Minuten die Grundfrequenz der Sprechstimme von zehn CEOs von Schweizer SMI-Unternehmen getestet. Fazit: Sieben Manager haben eine tiefere Stimme als ein durchschnittlicher Mann, (ca. 120 Hertz, siehe Box).

 

Mit Rammstein aufnehmen kann es Michael Mack (CEO Syngenta, 94.4 Hz) und Brady Dougan (CEO Credit Suisse, 102.5 Hz). Die können ganz schön brummeln. Doch wer ist der Piepser in der Manager-Runde? Sehen Sie selbst.

http://www.20min.ch/finance/news/story/31222266 (Link zum Originalbeitrag)

 

 


Gefährdung und Verfall der deutschen Sprache wegen WhatsApp und Co.

Die moderne Technik und neuartige Kommunikationswege gefährden die deutsche Sprache und sollten vor Kindern ferngehalten werden. Dieser Meinung ist der Vorsitzende des deutschen Rechtschreibrats.

 

whatsup gefährlich für die sprache

 

Nach Meinung des Vorsitzenden des deutschen Rechtschreibrats, Hans Zehetmair, gefährden moderne Kommunikationskanäle wie SMS, Twitter oder WhatsApp die deutsche Sprache. Da immer mehr verkürzt und vereinfacht werde, verkomme das Deutsche zu einer «Recycling-Sprache», so Zehetmair gemäss heise.de gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Zudem wettert er gegen die allgegenwärtigen Anglizismen: «Es hat nichts mit einem höheren Bildungsgrad zu tun, wenn man Wörter auf Englisch sagt, die man ebenso auch auf Deutsch formulieren könnte.»

Insbesondere die junge Generation sei von diesem Sprachzerfall betroffen. Zehetmair fordert daher, dass man Kinder vor Anwendungen wie WhatsApp und Twitter, aber beispielsweise auch vor Tablets schützen soll. Seiner Meinung nach sollten Jugendliche erst mit 14 Jahren Zugang zu diesen Dingen erhalten, wenn sie bereits über gefestigte Deutschkenntnisse verfügen.

«Ich will die moderne Technik nicht verurteilen, aber die Jugend darf sich von der schwindelerregenden Entwicklung nicht vereinnahmen lassen», so der Vorsitzende des Rechtschreibrats. Er findet es auch bedenklich, wenn die Leute nur noch in der Ecke sitzen und auf ihrem Handy rumtippen, statt miteinander zu sprechen.

Zehetmair fordert die Eltern zudem dazu auchauf, ihren Kindern das Lesen von Büchern schmackhaft zu machen. Dazu müssten sie mit gutem Beispiel vorangehen, indem sie sebst mehr lesen.


Shitstorm: Wie enteht so ein medialer Empörungsbrand, der einer Person sein Leben zerstören kann?

Wenn die Web-Wut losbricht, steckt dahinter oft Missgunst. Das könnte sich rächen: Trittbrettsurfen auf der Empörungswelle als Zeitvertreib gegen Langeweile schadet dem legitimen und notwendigen Netzprotest.

 

In einem alten, deutschen Witz trifft eine Fee einen Bauern und gewährt ihm einen Wunsch. „Ich gebe dir, was immer du möchtest. Aber bedenke, dein Nachbar bekommt das Doppelte davon.“ Der Bauer überlegt mit zunehmend verärgerter Miene und sagt dann: „Hack mir ein Auge aus.“

 

Shitstorm war der Anglizismus des Jahres 2011, so erfuhr der Begriff größere mediale Verbreitung. Das Wort hat erst mit der Verbreitung von digitalen Echtzeitmedien wie Twitter und Facebook seine volle Sprühbreite erfahren. Es ist sprachlich wie gesellschaftlich spannend, der Entstehung einer Definition von Shitstorm zuzuschauen, noch ist einigermaßen ungeklärt, was genau einen Shitstorm ausmacht und wo er beginnt.

 

Zwar handelt es sich um einen Empörungsbrand in sozialen Medien und durch soziale Medien. Aber seit der Begriff politisch in Mode gekommen ist, beklagt jeder Vizekreisvorsitzende schon einen Shitstorm, wenn jemand auf Twitter etwas ruppig nach der Uhrzeit fragt. In der ständigen Netzdiskussion unter Piraten scheint der Shitstorm zum Standardinstrument der politischen Meinungsfindung zu werden, das Shitstorming als aggressive Variante des Brainstorming. Gleichzeitig vergeht kaum eine Woche, ohne dass in Artikeln und Pressemitteilungen die neue Empörungskultur im Internet beklagt oder besorgt betrachtet wird – vornehmlich übrigens von Medien und Lobbyverbänden, die die Erhöhung des öffentlichen Drucks als ihr ureigenstes Gebiet betrachten.

 

 

Beispiele

Der Shitstorm ist ein Phänomen, das gerade in der jüngeren Vergangenheit häufig in Erscheinung trat. Die betroffenen Unternehmen und Einzelpersonen sahen sich dabei häufig mit großen Reputationsschäden konfrontiert.

  • Pril steht seit Jahrzehnten für Spülmittel und seit Frühling 2011 für eines der größten deutschen Online-PR-Debakel. Henkel hatte die Netzgemeinschaft aufgerufen, kreative Design-Vorschläge einzusenden, die von der Netzgemeinschaft bewertet werden konnten und zukünftig die Pril-Flasche zieren sollten. Nach kurzer Zeit befanden sich fast ausschließlich absurde Vorschläge auf den ersten Plätzen. Nach einer Bereinigung der Ergebnisliste, die Henkel mit einer angeblichen Manipulation der Abstimmung erklärte, tauchten die vormaligen Design-Spitzenreiter nur noch abgeschlagen wieder auf. Die Netzgemeinschaft war erzürnt und Henkel entstand ein großer Imageschaden.
  • Die Umweltorganisation Greenpeace berichtete Anfang 2010, dass bei der Palmöl-Produktion für Nestlés Produkt KitKat Lebensräume von Orang-Utans zerstört würden und die Population der Primaten dadurch gefährdet sei. Greenpeace startete daraufhin eine Social-Media-Kampagne gegen Nestlé und KitKat und produzierte zusätzlich ein abschreckendes Video. Dass diese Kampagne zu einem Shitstorm wurde, lag unter anderem an Nestlé selbst. Durch das Abschalten von Fansites und vor allem durch das Verbot des Videos setzte der sogenannte Streisand-Effekt ein. Das Video wurde mehrfach neu hochgeladen, die Kampagne gewann an Bekanntheit und Nestlé erfuhr einen großen Reputationsschaden. Mittlerweile hat sich das Unternehmen aufgrund öffentlichkeitswirksamer Gegenmaßnahmen davon erholt.
  • Im Herbst 2010 wollte die Deutsche Bahn über ihre Facebook-Fansite das sogenannte „Chef-Ticket“ anbieten. Die Teilnehmer konnten sich für 25 € ein Ticket kaufen, mit dem man durch ganz Deutschland fahren konnte. Die Plattform wurde jedoch von den meisten Personen dafür genutzt, um ihrem Ärger über die Deutsche Bahn Luft zu machen. Der Verzicht auf sämtliche Kommunikation oder Mediation mit der Netzgemeinde verwandelte die Kritik in einen Shitstorm und bescherte der Deutschen Bahn ein Public-Relations-Debakel.
  • Ein Shitstorm kann auch einzelne Personen treffen, wie die 13-jährige Rebecca Black. Die Eltern der US-Amerikanerin ließen 2011 für mehrere Tausend US-Dollar ein Musikvideo produzieren und stellten dieses auf YouTube ein. 44 Millionen Mal wurde das Video zum Song Friday innerhalb relativ kurzer Zeit angeklickt und mit zumeist negativen oder beleidigenden Kommentaren versehen. Trotz der schlechten Kritiken brachte diese öffentliche Wahrnehmung der Schülerin einen neuen Plattenvertrag ein; sie konnte so die popularitätsbildende Kritik der Netzgemeinschaft nutzen.
  • Ein ING-DiBa-Werbespot, in dem Basketball-Star Dirk Nowitzki eine Scheibe Fleischwurst isst, veranlasste im Januar 2012 zahlreiche Vegetarier, auf der ING-DiBa-Seite Proteste zu posten.
  • Eine Kundin von Vodafone D2 beschwerte sich Ende Juli 2012 auf der Facebook-Seite des Mobilfunkbetreibers über angeblich unangemessen hohe Rechnungen. Vodafone habe zwar nach eigenen Angaben bereits nach kurzer Zeit auf den Beitrag reagiert, was jedoch aufgrund eines Softwarefehlers nicht richtig übermittelt worden und daher untergegangen sei. Innerhalb von vier Tagen erhielt der Beitrag mehr als 65.000 „Gefällt mir“-Angaben und über 6.500 gegen Vodafone gerichtete Kommentare.Mitte August 2012 hatte der Post knapp 150.000 „Gefällt mir“-Angaben und über 15.000 Kommentare.
  • Anfang August 2012 beschwerte sich ein Kunde via Facebook bei McDonald’s über die Preiserhöhung des Cheeseburgers. Dabei wurde die Geldgier des Konzerns mit den hohen Lizenzgebühren für Franchisenehmer und der eigentlichen Kritik, der Burger sei um 39 Cent teurer geworden, vermischt. Dennoch erhielt das Posting über 75.000 zustimmende Bewertungen und mehr als 6.000 Kommentare.
  • Am 17. Oktober 2012 strahlte RTL zur Hauptsendezeit um 20:15 Uhr die Sendung „Christopher Posch – Ich kämpfe für Ihr Recht“ aus, in der ein Rechtsstreit zwischen dem Schlagersänger Michael Wendler und Sylvia und Nadine Simbeck thematisiert wurde. Noch während der Sendung wurde bei Facebook die Seite „100.000 Menschen die Michael Wendler scheiße finden“ ins Leben gerufen. Auf dem Höhepunkt des gegen Michael Wendler gerichteten Shitstorms gewann die Seite 300 Fans pro Minute.[21] Zwei Tage nach Ausstrahlung der Sendung zählte die Seite bereits über 230.000 Fans. Dieser Shitstorm gilt als einer der schnellsten der deutschen Facebook-Geschichte und wurde von zahlreichen Medien aufgegriffen, die sich insbesondere kritisch mit der Haltung Wendlers auseinandersetzten.
  • Volkswagen versendet seit 2010 verstärkt Abmahnungen an Händler, die Markenschutzverletzungen begangen haben. Am 10. Oktober 2012 wurde erstmals eine Abmahnung an die privat betriebene Internetplattform doppel-wobber.de versendet. Die Proteste darüber fanden am 23. Oktober 2012 ihren bisherigen Höhepunkt mit einem Shitstorm auf der Facebookseite von Volkswagen Deutschland. Volkswagen hat bisher, wie bei den ersten zwei größeren Abmahnwellen zuvor, keine Stellungnahme veröffentlicht.

 

 

Aus Wikipedia:

Shitstorm [ˈʃɪtstɔːm], (englisch shitstorm „chaotische, ungute Situation“) bezeichnet im Deutschen das Auftreten des als Flamewar bekannten Phänomens bei Diskussionen im Rahmen von sozialen Netzwerken, Blogs oder Kommentarfunktionen von Internetseiten. Massenhafte öffentliche Entrüstung führt dazu, dass sachliche Kritik mit zahlreichen unsachlichen Beiträgen vermischt und eine sinnvolle Diskussion dadurch verhindert wird. Der Duden definiert einen Shitstorm als „Sturm der Entrüstung in einem Kommunikationsmedium des Internets, der zum Teil mit beleidigenden Äußerungen einhergeht“.[1] Der Begriff Shitstorm bezieht sich vor allem auf „Blogbeiträge oder -kommentare, Twitternachrichten oder Facebook-Meldungen“.[2] Dabei richtet sich „eine subjektiv große Anzahl von kritischen Äußerungen […], von denen sich zumindest ein Teil vom ursprünglichen Thema ablöst und [die] stattdessen aggressiv, beleidigend, bedrohend oder anders attackierend geführt [werden]“[3] gegen Unternehmen, Institutionen, Einzelpersonen oder in der Öffentlichkeit aktive Personengruppen, etwa Parteien oder Verbände. Der Begriff wurde zum Anglizismus des Jahres 2011 gewählt.[4]

 

Wortgeschichte

Shitstorm setzt sich aus den englischen Begriffen shit (‚Scheiße‘) und storm (‚Sturm‘) zusammen. Während mit dem Modebegriff im Deutschen ausschließlich das Internet-Phänomen gemeint ist, bezeichnet er im Englischen als Dysphemismus allgemein eine unangenehme Situation. Ob es sich um einen Scheinanglizismus oder einen Anglizismus handelt, ist umstritten. Im amerikanischen Englisch wurde der Begriff seit den 1980er Jahren häufiger verwendet.

Der Begriff war als Anglizismus des Jahres 2010 nominiert, nachdem die Verwendung im Deutschen stark angestiegen war. Im Februar 2012 wurde er durch eine Jury und in einer Publikumswahl zum Anglizismus des Jahres 2011 ernannt. Als prägend für den angestiegenen Gebrauch wurde ein Vortrag des Bloggers Sascha Lobo auf der Web-2.0-Konferenz re:publica im April 2010 vermutet. Vor allem ab Dezember 2010 kam der Begriff auch in etablierten Printmedien häufiger vor und bezog sich in der Regel auf eine breitere Teilnahme am öffentlichen Diskurs, die durch das Web 2.0 erzeugt wird und für einen unsachlichen Diskursverlauf verantwortlich gemacht wird. „Shitstorm füllt eine lexikalische Lücke, die Mediendemokratie, Social Media und das Web 2.0 geschaffen haben“.

Zu den ersten Verwendungen in der deutschen Presse gehörte allerdings bereits 2006 ein Kommentar von John Irving, der in der Debatte über Günter Grass’ Zugehörigkeit zur Waffen-SS kritisch anmerkte, man könne „das nationalistische Geplapper in den deutschen Medien wohl als ‚shit storm‘ bezeichnen.“

 

Eigenschaften

Ein Shitstorm stellt einen Angriff auf die Reputation eines Unternehmens oder einer einzelnen Person dar. Typisch für einen Shitstorm ist, dass ein Reputationsangriff mit Bedacht gestartet wird, z. B. durch eine negative Bewertung nach einer schlechten Nacht in einem Hotel oder einer negativen Produktbewertung in einem Online-Shop. Einer Beschwerde im Web 2.0 geht in der Regel eine direkte Beschwerde des Kunden beim Anbieter selbst voraus. Wird dort nicht zufriedenstellend geantwortet, verlagert sich die Kritik häufig ins Internet. In Blogs und sozialen Netzwerken wie Facebook, in denen sich Unternehmen mit eigenen Profilen präsentieren, können die Nutzer Kommentare abgeben und so das Unternehmen öffentlichkeitswirksam kritisieren.

Findet eine Kritik Bestätigung durch weitere Geschädigte, entwickelt sich durch die vielfältigen Kommunikationswege im Internet eine Eigendynamik, die sich auf mehrere populäre Webseiten und Netzwerke verlagert. Die Kritik wird zunehmend unsachlich und emotional geäußert und ist dadurch nur schwer wieder zu beruhigen. Die Moderation eines Shitstorms stellt für Social-Media-Manager eines Unternehmens die wohl schwierigste Aufgabe der Krisenkommunikation dar.

Im Verlauf eines Shitstorms übertönen Beschimpfungen und Beleidigungen jede Form sachlicher Diskussion. Häufig verstärken die betroffenen Unternehmen oder deren Mitarbeiter ungewollt einen Shitstorm, indem sie unbedachte Aussagen treffen oder Mitarbeiter ohne vorherige Rücksprache im Namen des Unternehmens auftreten. Alle Äußerungen, ob von der Seite der Angegriffenen oder der Netzgemeinschaft, haben das Potenzial, einen Shitstorm weiter anzufachen, selbst wenn diese über wenig bis gar keine Substanz verfügen. Auch ein überstandener Shitstorm hat durch die Archiv-Funktion des Internets das Potenzial, durch einen neuen Kommentar zu einem alten Beitrag wieder in Gang gesetzt zu werden.

Die Entwicklung und Eigenschaften eines Shitstorms wurden von Barbara Schwede und Daniel Graf im Rahmen der Social Media Marketing Konferenz 2012 in einer Skala definiert, die an die Beaufort-Skala angelehnt ist. Ein Wert von 0 bedeutet „keine kritischen Rückmeldungen“ in sozialen Netzwerken und Medien-Reaktion, wobei ein Wert von 6 für „ungebremster Schneeball-Effekt mit aufgepeitschtem Publikum. Tonfall mehrheitlich aggressiv, beleidigend, bedrohend“ in sozialen Netzwerken und „Top-Thema in Online-Medien, intensive Berichterstattung in allen Medien“ hinsichtlich des Medien-Echos steht.

Zur Beurteilung der Schwere eines Shitstorms hat das Social Media Monitoring Unternehmen Business Intelligence Group im Juni 2012 ein Analysemodell vorgestellt. In der „Shitstorm-Matrix“ genannten Darstellungsform werden drei Faktoren berücksichtigt. Erstens das Ausmaß der „akuten Phase“ eines Shitstorms, gemessen an der Beitragsanzahl in Relation zur normalen Beitragsanzahl zur jeweiligen Organisation. Zweitens die Persistenz (Dauerhaftigkeit) der Beiträge, die davon abhängt, auf welcher Plattform sie veröffentlicht wurden. Drittens wird die „site relevance“ ermittelt, die auf einer Skala von 0 bis 100 die Sichtbarkeit und Reichweite der Plattformen auf denen die Beiträge erschienen sind, berücksichtigt. Auf der Matrix abgetragen lässt sich so ermitteln, ob ein Shitstorm zum Beispiel trotz eines hohen Beitragsvolumens wenig Auswirkungen hatte, weil die Beiträge vor allem auf wenig relevanten Seiten erschienen.

Als begünstigender Faktor eines Shitstorms kommt hinzu, dass insbesondere das soziale Netzwerk Facebook einige Kontrollmöglichkeiten abgeschafft hat, mit denen ein Diskussionsverlauf bislang im Zaum gehalten werden konnte. Dazu gehört z. B. die Abschaffung der Funktion für Administratoren, einen Kommentar auszublenden, ohne ihn zu löschen. Auch die Veränderung des EdgeRank-Algorithmus wird als begünstigender Faktor für Shitstorms angesehen, da kritische Kommentare dadurch häufiger im Newsticker angezeigt werden.

 


Hochgespielter «Super-GAU» – Wie Medien manipulieren

Das Atomunglück in Japan vor einem Jahr gilt als Katastrophe verheerenden Ausmasses. Zu Unrecht: Es gab keine Toten und keine Strahlenkranken. Die Spätfolgen werden gering sein. Die Rückkehr vieler Evakuierter ist absehbar. Von Alex Reichmuth und Walter Rüegg

 

Es sind für viele Mitteleuropäer erstaunliche Aussagen, die Wolfgang Weiss vor kurzem machte. Weiss ist Vorsitzender des Uno-Wissenschaftskomitees zu den Auswirkungen atomarer Strahlung (UNSCEAR). Gemäss den heute zur Verfügung stehenden Informationen seien die gesundheitlichen Auswirkungen der Atomkatastrophe von Fukushima wohl gering, sagte Weiss. Vor allem wegen der zügigen Evakuation seien die Radioaktivitätsdosen, die die Bevölkerung abbekommen habe, «sehr tief». Einige wenige Arbeiter im havarierten Werk hätten zwar hohe Dosen abbekommen. Es seien bis jetzt aber keine gesundheitlichen Probleme bei ihnen zu beobachten – insbesondere auch keine Strahlenkrankheiten, wie sie bei vielen Arbeitern nach der Atomkatastrophe 1986 in Tschernobyl auftraten.

Weiss’ Aussagen kontrastieren mit dem Bild, das man sich in der Schweiz und in Deutschland von «Fukushima» macht. Das Unglück gilt als «eine der grössten Technik­katastrophen aller Zeiten» (Bild der Wissenschaft). Zum Jahrestag sprechen die Medien von der «Strahlen­hölle» (Tages-Anzeiger), suggerieren verhee­rende Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung und betonen unablässig, dass die Evakuierten wohl nie mehr in ihre Heimat zurückkehren könnten. Dass der Tsunami, der die Havarie auslöste, etwa 20 000 Menschen ­tötete, fast eine halbe Million Häuser zerstörte und etwa 500 Quadratkilometer Land verwüstete, trat in der hiesigen Berichterstattung rasch in den Hintergrund. Das Atomunglück war auch der Grund, dass die Schweiz und Deutschland kopfüber den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen. Wer sich hingegen auf Fakten stützt, muss zum Schluss kommen, dass Wolfgang Weiss richtigliegt. «Fukushima» war, verglichen mit anderen Katastrophen, nur ein Ereignis mittlerer Bedeutung. Das zeigen Recherchen der Weltwoche.

Nach der Atomkraftwerk-Havarie in Fukushima am 11. März letzten Jahres gelangte an radio­aktivem Material grob geschätzt etwa ein Zehntel dessen in die Umwelt wie nach der Katastrophe in Tschernobyl 1986. Ein grosser Teil davon wurde Richtung Pazifik weggetragen und hat darum kaum Schaden angerichtet. Trotz düsterer Medienberichte waren freigesetztes Strontium und Plutonium nie ein Problem. Von Bedeutung bei den ausgestossenen radioaktiven Substanzen waren Iod, das mit einer Halbwertszeit von acht Tagen aber nur einige Wochen lang relevant war, und Cäsium. Mit ­einer Halbwertszeit von dreissig Jahren ist Cäsium hauptverantwortlich für die heute noch vorhandenen Belastungen um das AKW Fukushima.

Wegen der Radioaktivität infolge des Atom­unglücks ist bis heute kein einziger Mensch ums Leben gekommen. Und die Chancen stehen gut, dass es auch in Zukunft kaum Opfer geben wird. Die meisten Arbeiter, die nach der Havarie im AKW im Einsatz waren, haben eine Dosis unter 100 Millisievert (mSv) erhalten. Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass einmalige Radioaktivitätsdosen bis zu diesem Wert schädlich sind. Allerdings ist auch das Gegenteil nicht bewiesen. Darum ­gehen Präventivmediziner davon aus, dass es ­keine untere Schwelle der Schädlichkeit gibt. Sie rechnen die negativen gesundheitlichen Folgen, die man bei hohen Dosen beobachtet, linear auf tiefe Dosen herunter. Auch unter diesen Annahmen hat sich aber das Risiko, im Alter an Krebs zu erkranken, bei den Arbeitern mit einer Dosis bis 100 mSv um maximal ein halbes Prozent erhöht. Es gibt jedoch 110 Arbeiter, die stärker bestrahlt wurden, sechs davon mit mehr als 250 mSv (Spitzenwert 678 mSv). Ihr Risiko für Krebs in späteren Jahrzehnten ist aber gegenüber nichtbestrahlten Menschen höchstens um wenige Pro­zent gestiegen.Dank der zügigen Evakuationen unmittelbar nach dem Unglück wurde die Bevölkerung gesundheitlich kaum beeinträchtigt. Etwa 100 000 Bewohner im Umfeld des AKW Fuku­shima müssen (auf die ganze Lebenszeit hochgerechnet) mit einer zusätzlichen Dosis von bis zu 50 mSv rechnen. Das ist wenig im Vergleich zur natürlichen Strahlung, die im weltweiten Schnitt für eine Lebensdosis von etwa 150 mSv sorgt. In einigen Gebieten der Welt ­beträgt die Belastung durch natürliche Radioaktivität sogar das Zwei-, Drei- bis Zehnfache dieses Durchschnittswerts. Dazu zählen viele Orte in den Alpen. Bis heute konnten an solchen Orten aber nie negative Auswirkungen der Strahlung auf die Gesundheit nachgewiesen werden. Doch selbst wenn man annimmt, dass auch tiefe Dosen schädlich sind, sind die Auswirkungen in Fukushima für die Bevöl­kerung gering. Die statistische Lebenszeit­verkürzung bei einer zusätzlichen Dosis von 10 mSv beträgt etwa zweieinhalb Tage, bei 50 mSv knapp zwei Wochen. Im Vergleich zu anderen Lebensrisiken ist das fast vernach­lässigbar.

Wie eine Zigarette alle acht Jahre

Auch die Belastung durch verstrahlte Lebensmittel kann als unbedeutend angenommen werden. In Japan wurde und wird die Bevölkerung konsequent vor belasteter Nahrung geschützt. Während im Mai noch bei fünf Prozent aller Lebensmittelproben die Grenzwerte überschritten wurden, waren es im Juli noch drei Prozent und im August weniger als zwei. Zudem stellt die Überschreitung eines Grenzwertes noch längst keine Gesundheitsgefahr dar. In der Regel liegen die Grenzwerte (in ­Japan und bei uns) um das Tausendfache unter den Dosen, die medizinisch relevant sind. Die Schweizer Medien bauschen die Gefahren aber auf. So berichtete der Gesundheitstipp im letzten Oktober von angeblich verstrahltem Tee aus Japan in Schweizer Läden. Die maximal gemessene radioaktive Verstrahlung betrug dabei 6,1 Becquerel pro Kilogramm. Greenpeace warnte düster vor dem Konsum des Tees. In Wahrheit entspricht das Risiko – selbst wenn man dauerhaft täglich sechs Tassen dieses Tees trinken würde – lediglich dem Risiko ­einer Zigarette alle acht Jahre. Das zeigen Berechnungen der Weltwoche.

Viele Schlagzeilen erzeugte das Wasser, das in Fukushima zur Kühlung eingesetzt wurde und darum radioaktiv belastet war. Als im letzten April ein Teil dieses Wassers infolge von Lecks ins Meer floss, wurde in den Medien eine Verseuchung des Pazifiks suggeriert. Meerwasser ist aber ganz natürlich ebenfalls radioaktiv. Ein Kubikkilometer Wasser enthält im weltweiten Schnitt zum Beispiel drei Tonnen Uran. Die zusätzliche Radioaktivität, die ins Meer gelangte, entspricht der natürlich vorhandenen Radioaktivität einiger hundert Kubikkilometer Meerwasser. Das tönt nach viel, ist es aber nicht: Man kann davon ausgehen, dass das Kühlwasser innert kurzer Zeit stark verdünnt wurde und die Kontamination der entsprechenden Wasserschichten schon bald vernachlässigbar klein war. Ein Teil des radioaktiven Materials setzte sich zwar in Meeres­sedimenten fest, was jedoch höchstens lokal von Bedeutung ist: Nimmt man an, dass etwa zehn Prozent des radioaktiven Materials in den Meerboden sickerte, und vergleicht man diese Menge mit der natürlichen Radioaktivität von Böden (oberster Meter), entspricht die zusätzliche Belastung derjenigen, die etwa hundert Quadratkilometer Meerboden ganz natürlich aufweisen – ein eher geringer Betrag.Auch das Kühlwasser, das sich im Untergrund der Reaktoren gesammelt hat, stellt kein Problem mehr dar: Dessen maximale ­radioaktive Belastung entsprach im vergangenen Februar lediglich der von gewöhnlichem Regenwasser, wie Messungen zeigen. In manchen Gebieten der Welt ist Regenwasser sogar mehr als hundertfach höher belastet. Denn ­Regen wäscht natürlich vorhandene radioaktive Substanzen in der Luft aus.Doch was ist mit den etwa 100 000 Menschen, die noch immer nicht in ihre Häuser zurückkehren können? Ist die Errichtung grossflächiger Sperrzonen von unbestimmter Dauer nicht der Beweis, dass die Produktion von Atomenergie unverantwortlich ist? Zum Jahrestag des Reaktorunglücks sind die Medien voll von berührenden Berichten über Menschen, die noch immer in Notunterkünften leben und alle Perspektiven verloren haben. Eine Evakuation unbestimmter Dauer ist tatsächlich eine gewaltige Belastung. Allerdings scheint es, dass statt der radioaktiven Strahlung vielmehr die übertriebene Angst vor ihr für solches Leid verantwortlich ist. «Weil Evakuierte Haus und Heimat, meist auch ihre Jobs und Zukunftsperspektiven verlieren, können Stress und Angst ihre Gesundheit viel stärker gefährden als niedrige Strahlendosen», sagte Maria Blettner von der deutschen Strahlenschutzkommission, deren Mitglieder vom Bundesumweltministerium berufen werden. Angesichts der Tatsache, dass die zu erwartende (zusätzliche) Lebensdosis in weiten Teilen der Sperr­zone in Fukushima nicht höher liegt als in bekannten Kurorten der Welt, muss man sich fragen, ob eine Rückkehr nicht angezeigt ist. Bezüglich der Atomkatastrophe von Tschernobyl, die viel gravierender war, kam ein breit abgestütztes Wissenschaftsgremium unter Leitung der Uno zum Schluss, dass nicht die Strahlung, sondern die Beeinträchtigung der Psyche infolge von Stress und Angst das grösste Gesundheitsproblem war.

Eine Million Kubikmeter Giftschlamm

Tatsächlich können in Japan viele Evakuierte mit einer Rückkehr in ihre Häuser rechnen, denn die Entgiftung der belasteten Gebiete schreitet voran. Die Regierung hat ­diese Gebiete in drei Zonen eingeteilt. Für ­etwa 300 km2, in denen die Belastung unter 20 mSv pro Jahr liegt, soll die Rückkehr der Bevölkerung in einigen Monaten beginnen und bis März 2014 abgeschlossen sein. Weitere ­zirka 600 km2, wo die Belastung heute zwischen 20 und 50 mSv beträgt, sollen so weit dekontaminiert werden, dass eine Rückkehr ebenfalls bis März 2014 möglich ist. Nur etwa 150 km2, wo die Belastung über 50 mSv pro Jahr liegt, ­bleiben für die nächsten fünf Jahre evakuiert.

Eher geringfügig sind die Auswirkungen von «Fukushima» auch dann, wenn man mit anderen Umweltkatastrophen vergleicht. Im Ok­tober 2010 brach im ungarischen Kolontár ein Rückhaltebecken zur Lagerung von Rotschlamm, der bei der Aluminiumproduktion anfällt. Etwa eine Million Kubikmeter Giftschlamm ergossen sich über 40 km2 Fläche. Zehn Menschen starben. Der Schlamm enthielt unter anderem ungefähr fünfzig Tonnen hochgiftiges Arsen. Die ausgestossene Menge an Gift, gemessen in potenziell tödlichen Dosen, war beim Schlammunglück in Ungarn etwa zehnmal grösser als beim Reaktorunglück in Fukushima. All das zeigt, dass der Bruch des Rückhaltebeckens viel gravierendere Auswirkungen für Mensch und Umwelt hatte als das AKW-Unglück in Japan. Während aber nach der Atomhavarie der Ausstieg aus der Kernenergie sofort zum Thema wurde, verlangte nach dem Unglück in Ungarn niemand den Verzicht auf die Produktion von Aluminium.

 

Weltwoche Ausgabe 11/2012


Update zu: Imagefilm-Firma Astramedia Kassensturzbericht

Update des Artikels: 11. Mai 2011

Offizielle Stellungnahme von astramedia zum Kassensturz Bericht vom November 2010.

Qualitätsoffensive: „astramedia erklärt Kundenzufriedenheit zur Chefsache“ – Im November 2010 erschien ein Bericht über astramedia im Kassensturz, in welchem hauptsächlich der hohe Preis der Leistungen und die missverständlichen Versprechungen seitens astramedia bemängelt wurden. Aus diesem Grund führte astramedia in Zusammenarbeit mit ISOPUBLIC eine repräsentative Studie durch, mit welcher  die Kundenzufriedenheit ermittelt wurde.

 

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Kassensturzbericht zu Cityguide/Astra Media

 

Dienstag, 23. November 2010, 19:02 Uhr, Aktualisiert 24.11.2010, 13:30 Uhr

Werbung im Internet ist im Trend. Viele Kleinunternehmer möchten ihre Firma übers Netz bekannt machen. Doch aufgepasst: Windige Werbefirmen ziehen mit grossspurigen Versprechen ihre Kunden über den Tisch.

 

Link zum Originalartikel inklusive TV-Sendung vom Kassensturz

 

Gratisfilm als Kostenfalle

Vor zwei Jahren eröffnete Bernhard Baldinger ein Optikergeschäft im Zürcher Kreis 4. Der Beginn war hart, die Konkurrenz gross. Deshalb war der Optiker dankbar, als ihm jemand Hilfe anbot: Ein Vertreter der Firma Cityguide wollte seinen Brillenladen mit einem Film im Internet bekannt machen. «Er sagte, er wolle damit kleinen Firmen helfen», sagt Baldinger. Heute droht ihm wegen des Films der Ruin. Der ursprüngliche «Gratisfilm» entpuppte sich als Kostenfalle. Der Cityguide-Vertreter hatte ihn bei den Preisverhandlungen übertölpelt. «Ich dachte, der Film koste 2250 Franken, so hatten wir es mündlich vereinbart», sagt Baldinger. Er hat sich auf die mündliche Abmachung mit dem Verkäufer verlassen. In Tat und Wahrheit unterschrieb er einen 3-Jahres-Vertrag. Jetzt betreibt ihn die Firma Astramedia – so heisst Cityguide heute – auf einen Betrag von 15’600 Franken.

 

 

 

Tipps für Kunden

Folgendes können KMU beachten, bevor sie einen Internet-Werbeauftrag erteilen. Tipps von Online-Marketing-Experten Marcel Bernet, bernetblog.ch:

– Erteilen Sie nur einen einfachen, abgeschlossenen Auftrag und schauen Sie genau auf die Rücktrittsmöglichkeiten, bevor Sie einen Vertrag unterschreiben.

– Seriöse Anbieter lassen Ihnen Zeit für den Entscheid. Lassen Sie sich nicht durch einen Rabatt zur schnellen Unterschrift drängen.

– Sind die Leistungen genau definiert? Oder heisst es pauschal „wir sorgen für Einträge auf Suchmaschinen, Portale und Webseiten“? Verlangen Sie eine kontrollierbare Auflistung der Massnahmen.

– Prüfen Sie Konkurrenzangebote. Vergleichen Sie die Preise, zum Beispiel mit einer Google-Suche „Video auf youtube hochladen“, oder „Video für Unternehmen produzieren“.

– Fragen Sie, mit welchen Stundenansätzen gerechnet wird, und wie viele Arbeitsstunden hinter einer Leistung stehen.

– Im Prinzip kann jeder selber ein Video auf youtube und andere Portale hochladen. Das ist kostenlos, braucht einfach Zeit. Seriöse Anbieter verrechnen dafür etwa einen Arbeitstag, also zwischen 500 und 800 Franken.

 

 


Auch Jörg Kachelmann hat Anspruch auf Respektierung der Geheimsphäre und der Privatsphäre

Der renommierte Medienanwalt Peter Bratschi verurteilt die Verletzungen der Privatsphäre im Fall Kachelmann und kritisiert den Boulevardjournalismus, der immer mehr Narrenfreiheit beanspruche.

«Es bleibt immer etwas hängen»

Von Carmen Gasser (Weltwoche)

In den letzten Jahren wurde kaum ein Kriminalfall derart medial ausgeschlachtet wie der von Jörg Kachelmann. Selbst seriöse Zeitungen berichteten zu Themen wie Verhütung, Menstruationsblut, Sexspielzeuge und Tampon. Paparazzi schossen ungehindert Bilder von Kachelmann in Untersuchungshaft und veröffentlichten SMS. Darf das Allerprivateste eines Menschen derart ans Licht gezerrt werden?

Es fällt auf, dass die Medien in diesem Fall sehr breit und sehr tief informiert haben. Es ist durchaus denkbar, dass in dem einen oder anderen Zeitungsartikel Persönlichkeitsrechte verletzt wurden.

Konkret?

Gegen das Magazin Focus wurde beispielsweise eine einstweilige Verfügung erlassen, weil es den Inhalt des Tagebuchs des mutmasslichen Vergewaltigungsopfers veröffentlicht hatte. Da aus öffentlichen Akten zitiert wurde und der Grundsatz gilt, dass Strafverfahren geheim geführt werden, verletzte Focus die Persönlichkeitsrechte. Auch absolute Personen der Zeitgeschichte, zu denen Jörg Kachelmann zählt, haben einen Anspruch auf Respektierung der Geheimsphäre und der Privatsphäre. Wenn SMS nichts mit der beruflichen Tätigkeit zu tun haben, hat Jörg Kachelmann ein Recht darauf, dass diese nicht publik gemacht werden.

Die Gesetze sind eindeutig. Weshalb scherten sich dennoch derart viele Zeitungen keinen Deut um Kachelmanns Privatsphäre?

Die Publizierung des Falls Kachelmann per se war rechtens. Es handelt sich um den Verdacht einer Straftat, die viel gravierender ist als etwa eine Ehrverletzung. Das Interesse an diesem Strafverfahren ist deshalb so gross, weil die Öffentlichkeit in ihrer Kernsubstanz betroffen ist. Kachelmann ist eine absolute Person der Zeitgeschichte, weshalb für ihn in einem Strafverfahren ein deutlich eingeschränktes Persönlichkeitsrecht gilt.

Die Anwälte Kachelmanns haben gegen zwanzig Medien einstweilige Verfügungen erwirkt. Wurde in all diesen Fällen die Privatsphäre Kachelmanns verletzt, oder werden einstweilige Verfügungen nicht auch verwendet, um Journalisten mundtot zu machen?

Mit einer einstweiligen Verfügung der Verletzung von Persönlichkeitsrechten Einhalt zu gebieten, ist eine bekannte Taktik. Man muss allerdings nachweisen, dass eine drohende Gefährdung der Persönlichkeitsrechte besteht. Ich gehe davon aus, dass sich die Gerichte haben überzeugen lassen, dass eine drohende Gefährdung bestand.

Der Springer-Verlag wurde gar auf 2,25 Millionen Euro Schmerzensgeld eingeklagt. Ist das nicht übertrieben hoch?

2,25 Millionen Euro erscheinen zwar auf den ersten Blick als eine hohe Summe. Aber wenn man bedenkt, wie Jörg Kachelmanns berufliche Existenz auf das schwerste in Mitleidenschaft gezogen wurde, und man davon ausgehen muss, dass er zeitlebens negative berufliche wie finanzielle Konsequenzen daraus tragen wird, erstaunt mich dieser Betrag in keiner Weise. Und all das nur, weil immer mehr Boulevardjournalisten Narrenfreiheit beanspruchen.

Via Google findet man bereits über eine Million Beiträge über die vermeintliche Vergewaltigung. Ist das nicht regelrechte Medienjustiz?

Medienjustiz oder, genauer, mediale Vorverurteilung gehört zur heutigen Gesellschaft. Sie ist die vierte Gewalt im Staat, die sich über die dritte verfassungsmässige Gewalt, die Justiz, hinwegsetzt. Die Justiz arbeitet zwar gründlicher, aber langsamer und geht deshalb an den Bedürfnissen der Öffentlichkeit vorbei. In diese Lücke springt die Medienjustiz, die rasch arbeitet und so den Bedürfnissen der Öffentlichkeit entspricht. Das heisst aber nicht, dass die eine Ebene die andere aushebelt. Die Medien übernehmen hier eine Art übergeordnete Kontrolle der Justiz. Dem gleichen Kontrollgedanken dient die Regelung, dass Strafprozesse grundsätzlich öffentlich sind.

Die Staatsanwaltschaft soll immer wieder belastende Details aus den Untersuchungen durchsickern haben lassen. Ist das nicht eine klare Vorverurteilung?

Das Verhalten war legitim. Wenn eine Staatsanwaltschaft gewisse Informationen im Zusammenhang mit einem gravierenden Fall bekanntgibt, aber immer mit dem Hinweis, dass diese aus einem hängigen Verfahren stammen und die Unschuldsvermutung gilt, ist das rechtens.

Aber es führte dazu, dass auch die Anwälte Kachelmanns in die Opposition gehen mussten und Informationen weitergaben, die eigentlich im Gerichtssaal zur Entlastung hätten dienen sollen.

Dieses Verhalten ist häufig anzutreffen und legitim. Ich kenne allerdings die Einzelheiten in diesem Fall nicht. Da es sich um ein Justizverfahren handelt und die Medienjustiz bereits eine Vorverurteilung vorgenommen hat, haben die Anwälte das Recht, um nicht zu sagen: die Pflicht, die Öffentlichkeit zu informieren. Denn häufig geht gerade die Boulevardpresse davon aus, dass der Angeschuldigte die ihm vorgeworfene Straftat auch begangen hat. Die Anwälte mussten sozusagen einen Gegenpol aufbauen, das gehört mit zur Verteidigung.

Jörg Kachelmann inszenierte sich früher gerne vor den Medien. Erst mit ihrer Hilfe wurde er zum C-Promi, wie er sich bezeichnete. Ist er am Ende vielleicht sogar selber schuld?

Es ist ein Spannungsfeld. Prominente werden häufig in diesen Publizitätsstrudel gerissen oder machen bewusst mit. Sie passen aber auch umso mehr auf, was geschrieben wird. Wenn sie der Überzeugung sind, dass etwas falsch geschrieben wurde, wehren sie sich. Das ist ja auch der Nährboden des Boulevardjournalismus. Aber auch ein Jörg Kachelmann hat das Recht, dass seine Privatsphäre geschützt wird.

Wie kam es zu dieser Entwicklung?

Das Bedürfnis der Öffentlichkeit, über solche Vorgänge informiert zu werden, ist heute grösser. Die Qualitätsunterschiede in den Medien sind sehr hoch. Es ist nun mal bezüglich Qualität nicht dasselbe, ob ein Artikel in der Weltwoche steht oder in einer Gratiszeitung. Die Presse muss nicht mehr über Fachzusammenhänge schreiben, sondern über Personen. Eine ganz neue Dimension ins Spiel gebracht haben die Gratiszeitungen, die sich in vielerlei Hinsicht freier fühlen als andere Zeitungen und geradezu unverfrorenen Boulevardjournalismus betreiben.

Der bekannte deutsche Medienanwalt Matthias Prinz erstritt 2004 am Menschengerichtshof in Den Haag für Caroline von Monaco ein bedeutsames Urteil, das Prominenten mehr Privatsphäre lässt und nur Berichte bei allgemeinem Interesse erlaubt. Damals glaubte man, dieses Urteil sei der Untergang der Pressefreiheit und des Boulevardjournalismus. Zu Unrecht?

Von mir aus gesehen, ja. Eine Pressefreiheit als unbegrenztes Recht zur Berichterstattung gibt es nicht. Jede Freiheit muss auch Grenzen haben, um festzulegen, in welchem Bereich man sich frei bewegen kann. Man hat die Pressefreiheit somit nicht beschränkt, sondern definiert.

Der frühere Ex-Kanzler Gerhard Schröder ging 2002 gegen einen Bericht vor, in dem es hiess, dass er seine Haare schwarz färben würde. Wenig später wurde über das haarige Thema nicht mehr geschrieben. Wird hier nicht die Justiz ad absurdum geführt?

Ich nehme an, dieser Fall ist nicht über die Justiz gelaufen. Der zuständige Beamte in der Staatskanzlei dürfte wohl mit dem Verlagsleiter gesprochen haben.

Wie oft erleben Sie als prominenter Medienanwalt, dass Schweizer Zeitungen gegen Persönlichkeitsrechte verstossen?

Recht häufig. Denn der Boulevardjournalismus breitet sich aus. Und Druck erzeugt Gegendruck. Dabei kommt es nicht immer zu einem Gerichtsverfahren. Man sucht häufig auch andere Lösungen, mit einer Entschuldigung des Mediums oder einer Zahlung an eine wohltätige Institution. Ich selbst habe gut zehn solche Fälle im Jahr.

Ihr letzter Fall?

Erst kürzlich veröffentlichte der Blick am Abend einen Artikel, in dem es hiess, dass das Management einer Firma in grossem Umfang Aktien verkauft habe. Alle Mitglieder wurden mit Fotos aufgeführt. Bei einer der aufgeführten Personen lag erstens eine Verwechslung vor, und zweitens hatte die abgebildete Person gar keine Aktien verkauft. Da musste ich intervenieren.

Sie haben zum ersten Mal überhaupt in der Schweiz ein Schmerzensgeld in zweistelliger Millionenhöhe erstritten. Ringier zahlte 2004 acht Millionen an den Schweizer Ex-Botschafter Thomas Borer. Wie war ein derart hoher Betrag möglich?

Der beruflichen Karriere und Existenz von Thomas Borer wurde enorm geschadet. Die Journalisten arbeiteten bei diesem Artikel derart salopp und unprofessionell, dass es nicht mit einer lapidaren Zahlung abgetan werden konnte. Zu der von Ihnen genannten Summe äussere ich mich jedoch nicht.

Dennoch schien dieser Fall wenig abschreckende Wirkung zu haben.

Wenig später passierte der Fall Matter. Er hat gezeigt, dass der Boulevardjournalismus unter massivem Druck steht, reisserische Geschichten zu schreiben, und Journalisten geneigt sind, zügig zu schreiben, anstatt zu recherchieren. Die federführenden NZZ am Sonntag-Journalisten bekamen sogar Preise, was sich im Nachhinein als völlig falsch herausgestellt hat. Hätte sich Thomas Matter nicht gewehrt, wäre er für alle Zeiten abgestempelt gewesen. Bedauerlich ist, dass sich nicht alle so zur Wehr setzen wie er. Denn so ein Unterfangen braucht Nerven, Zeit und viel Geld.

Wie gross ist der Schaden für die Opfer? Konnte die Reputation wiederhergestellt werden, oder bleibt das Quäntchen Restschuld?

Im römischen Recht heisst es: «Semper aliquid haeret», zu Deutsch: Etwas bleibt immer hängen. Im Fall Matter beispielsweise hat sich die NZZ am Sonntag auf der Frontseite für die Falschberichterstattung entschuldigt, aber auf der zweiten Seite einen Kommentar abgegeben, der das Gegenteil beinhaltete. Das war unüblich und journalistisch unehrenhaft. Leider werden auch Gegendarstellungen heute immer wieder ad absurdum geführt, indem die Redaktion anfügt, sie bleibe bei ihrer Auffassung. Was ist dann klargestellt? – gar nichts. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Leute sich an Presseberichte erinnern. Das sind bleibende Lasten, die selbst dann nicht aus der Welt zu schaffen sind, wenn man in einem ordentlichen Gerichtsverfahren obsiegt hat und dieser Sieg in der Zeitung in aller Regel sehr untergeordnet vermeldet wurde. Das zeigt: Medienjustiz ist rascher, kategorischer und in vielerlei Hinsicht nachhaltiger.

Peter Bratschi ist einer der versiertesten
­Medienanwälte der Schweiz. Er verteidigte
unter ­anderem erfolgreich Ex-Botschafter
Thomas Borer, Ex-Banker Thomas Matter und
Ex-Pensionskassenmanager Jürg Maurer.

 

Ganzer Bericht aus der Weltwoche

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